Drucken

BVS - Marktinformation vom 22. August 2014

Als PDF-Download oder als ausführliche Online-Version.


Korruption im Gesundheitswesen

Das Thema „ Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen“ nimmt Fahrt auf.
Der von der alten Bundesregierung eingebrachte Gesetzestext scheiterte kurz vor der Bundestagswahl 2013 im Bundesrat. Die Länder und die FDP hatten hier eigene Vorstellungen. Der aktuelle Koalitionsvertrag sieht vor, einen Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch zu schaffen und die bestehenden Strafbarkeitslücken zu schließen.
Anfang September veranstaltet das Bundesministerium der Justiz ein Fachforum, zu dem wir eingeladen sind und teilnehmen werden. Nun legt Bayern einen eigenen Gesetzentwurf, basierend auf dem von Hamburg aus 2013, vor in dem der Tatbestand der Bestechung und / oder Bestechlichkeit dem Strafgesetzbuch unterliegen und mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren geahndet werden können.
Bayern richtet ab Oktober 3 Schwerpunktstaatsanwaltschaften ein, die sich mit dem Thema Korruption im Gesundheitswesen befassen werden.
Am 27. August führen wir ein Unternehmerseminar durch, bei dem die Themen „Reform der Berufsordnung für Ärzte – Ende der Kooperation mit dem Fachhandel“ sowie die Fragestellung „ Ist das Gesundheitswesen ohne Betrug, Korruption und Wettbewerbsbeschränkungen vorstellbar?“ im Mittelpunkt stehen.
Das vollständige Programm finden Sie auf der Homepage des BVS unter
www.bv-sanitätsfachhandel.de, Rubrik: Termine/Veranstaltungen.


Externe Hilfsmittelberater

Im Bewusstsein, dass es für die Einschaltung externer Hilfsmittelberater keine gesetzliche Legitimation gibt und das BVA sich als Aufsichtsbehörde klar gegen externe Hilfsmittelberater positioniert hat, gehen einige Kassen immer noch sehr unsensibel mit dem Thema um. Der Bericht im ARD Magazin „Panorama“ hat dem Thema viel öffentliche Beachtung geschenkt.
Wir haben in diesem Zusammenhang noch vor der Sommerpause gegenüber Mitgliedern des Bundestags-Gesundheitsausschuss auf die Situation und die negativen Auswirkungen auf Patienten hingewiesen. Einzelgespräche finden nach den Parlamentsferien statt.


Studie belegt Patientenrisiken und Versorgungsmängel bei Hilfsmitteln gegen Dekubitus

Das IWAK-Institut der Goethe-Universität Frankfurt hat im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts die aktuelle Versorgungsqualität mit Antidekubitus-Liegehilfen bei der AOK Hessen untersucht.
Zu den gravierenden Versorgungsdefiziten, die von der Studie aufgedeckt wurden, hat die f.m.p. bereits eine kurze Pressemitteilung erstellt
(http://bv-sanitaetsfachhandel.de/images/pdf/anlagen/Presseinfo_04.08.14_PG11.pdf).
Eine ausführliche Kommentierung folgt in Kürze.

Die Berichterstattung über die Studie in einigen Medien könnte den Schluss zulassen, dass es sich lediglich um “Lücken im Versorgungsprozess“ und vorrangig um ein Dienstleistungsproblem der Leistungserbringer handelt.
So einfach ist es allerdings nicht.
Das beschriebene Versorgungsniveau ist vor allem auch Folge des seit Jahren mangelhaften Zulassungsverfahrens in der Produktgruppe 11, der unseriösen Produktbewerbung durch einige Hersteller und insbesondere Ergebnis fehlender Vertrags- und Qualitätskontrollen durch die Krankenkassen. Hinsichtlich der Hilfsmittelverzeichnis-Defizite müssen nun die Ergebnisse des angelaufenen Fortschreibungsverfahrens abgewartet werden.
Hingegen können Kassenverantwortliche nach der Studienveröffentlichung endgültig nicht mehr davon ausgehen, dass qualifizierte Vertragsanforderungen zu den bekannten Dumpingpreisen geleistet werden können. Die Vertragsangebote erfolgen entweder auf Grundlage falsch kalkulierter Leistungswerte oder die Bieter planen in der Hoffnung ausbleibender Kontrollen und nachweisbarer Schadensfälle von vorne herein bestimmte Leistungsbestandteile nicht zu erbringen.
In jedem Fall besteht in der PG 11 nach wie vor dringender Handlungsbedarf.

Ein weiteres, sicher nicht neues, Ergebnis der Studie ist, dass der heutige Forschungsstand keine evidenzbasierten Qualitätsstandards für die Auswahl von Antidekubitus-Liegehilfen liefert und noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die Zuordnung von Produkten zu Patientensituationen existieren. Vielmehr basiere die richtige Versorgung auf umfangreichen Praxiserfahrungen beim Patienten.
Umso verwunderlicher ist es, dass Norbert Kamps, freier Mitarbeiter des MDS und maßgeblicher Berater des GKV-Spitzenverbandes, bei der letzten und auch aktuellen Fortschreibung der PG 11 in Seminaren unter der Überschrift „Wann sind welche Anti-Dekubitussysteme notwendig?“ referiert.
Man darf gespannt sein, ob hier fundierte Praxiserkenntnisse vorgetragen werden oder ob sich der vielversprechende Titel als Werbeblase entpuppt.


Präqualifizierung – Nachqualifizierung von Fachlichen Leitern im Rahmen der Bestandsschutzregelung

Keine guten Nachrichten nach der letzten Sitzung der Leistungserbringer mit dem
GKV-Spitzenverband.
Im Ergebnis ist der GKV-Spitzenverband bei seiner Auffassung geblieben, dass das von den Leistungserbringer-Verbänden ausgearbeitete Prüfungsverfahren mit einem zentralen Fragepool nicht akzeptabel sei und abgelehnt wird.
Der GKV-Spitzenverband bleibt bei seiner Haltung, dass nur Schulungen, wie z.B. zum Reha-Fachberater, akzeptabel sind.

Momentan ist nicht mal ansatzweise eine Lösung des Problems in Sicht.
Nicht nur wegen der hohen Kostenbelastung und den nur begrenzt zur Verfügung stehenden Schulungsplätzen muss neu überdacht werden, ob man Leistungserbringer weiter von einer Klage abraten soll.